Interview: Arnulf Baring - Unsere kulturelle Identität (Auszüge)


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SPIEGEL: Herr Professor Baring, als gebürtiger Dresdner - freuen Sie sich über die neue Frauenkirche?

Baring: Ja, ihre Auferstehung ist eine ganz große Freude. [...] Die Frauenkirche war mehr als eine Kirche, sie war ein Symbol - des Untergangs der Stadt.

SPIEGEL: Die Rekonstruktion der Kirche ist nach wie vor umstritten. Hätten Sie eine zeitgemäße Lösung besser gefunden?

Baring: Ganz und gar nicht. Ich halte Rekonstruktionen für zeitgemäß. [...] Ich glaube auch, dass es gut ist, wenn die Deutschen ihre alten Städte im Maße des Möglichen zurückgewinnen, damit uns wieder klar wird, dass wir von irgendwoher kommen. Jeder sollte auf seine Weise entdecken, was ihn in diesem Lande hält, was ihn freut, was ihm Halt gibt, ob das nun Bach-Kantaten sind oder Barock-Kirchen. Deutschland ist zwar ein schwieriges Land, aber auch ein sehr kulturreiches. Ich finde, dass die Deutschen davon zu wenig erinnern und daher auch zu klein und zu ängstlich über sich selbst denken.

SPIEGEL: Verstehen wir Sie richtig: Die Deutschen sollen sich wieder mehr an ihre alten Traditionen halten und nicht mehr so sehr an Krieg und Holocaust?

Baring: Ganz richtig. Insgesamt glaube ich, dass die Deutschen deshalb mit ihren aktuellen Problemen nicht zu Rande kommen, weil sie ihre historischen Proportionen verloren haben. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein Land, das kein positives Verhältnis zur eigenen Vergangenheit bewahrt, keine Zukunft hat.

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SPIEGEL: Wenn Rekonstruktionen für die Deutschen durchgehend positive Wirkung haben sollen - warum tun sie sich so schwer damit? Was in Dresden gelang, kommt in der Hauptstadt schwer in Gang: die Rekonstruktion des Stadtschlosses.

Baring: Es gibt eben einen großen Unterschied zwischen Dresden und Berlin. Dresden hat, trotz Zerstörung, Flucht und Vertreibung, bürgerliche Elemente des Selbstgefühls, des Heimatgefühls bewahrt. Und das hat dazu geführt, dass die Rekonstruktion dort glückte.

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SPIEGEL: Die Frauenkirche brach zusammen, und nun steht sie wieder. Haben Sie für den Wiederaufbau gespendet?

Baring: Selbstverständlich.

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