Neuigkeiten / News
11.01.'09 - Offener Brief an die Entscheidungsträger zum Neubau des
Brandenburgischen Landtags
Offener Brief von www.mitteschoen.de:
"Am 15. Januar 2009 wird Ihr Bewertungsgremium aus Politikern des Landes und der Stadt Potsdam gemeinsam mit Sachverständigen und Architekten über die Entwürfe der drei Bieterkonsortien zum Bau des Brandenburgischen Landtags in Potsdams Mitte beraten.
Die öffentliche Auseinandersetzung aller Beteiligten auf fachlicher Ebene, als Politiker und als einfacher Bürger hat zu einem immer tieferen Verständnis der Bedeutsamkeit der Baustelle am Alten Markt geführt.
Bevor Sie über die Funktion und Gestalt unseres neuen Landtags entscheiden, bedenken Sie, welche enorme Bedeutung dieser Bau für uns alle hat. Jahrhunderte lang war das Stadtschloss Initialbau unserer Stadt, international wegen seiner Schönheit berühmt, ein einmaliger geschlossener großer Wurf Knobelsdorffs.
Eins gehörte da zum anderen. Denn Schönheit hat ihre tieferen Ursachen. So gehört der Schlosshof in seiner ursprünglichen Größe und Gestaltung untrennbar zur Ausstrahlung dieses Baus.
Wie tief viele Menschen die Gestalt unseres neuen Landtages bewegt, zeigen die schon zwei Jahre anhaltenden Demos und Pro-Stadtschlossveranstaltungen in unserer Stadt. Alle Bürger sehen den Entscheidungen in den nächsten Wochen mit dem dringenden Wunsch nach wirklicher Qualität entgegen. Sie freuen sich auf einen gelungenen Entwurf und seine ordentliche Umsetzung. Das Vertrauen, das sie hierbei in die verantwortlichen Politiker setzen, ist sehr groß.
Die Bürger erwarten und freuen sich ganz besonders darauf, dass
- der Landtag als historisches Stadtschloss außen originalgetreu wiederhergestellt wird,
- die so zahlreich vorhanden Originalteile des Schlosses wieder eingesetzt werden,
- der historische Innenhof rekonstruiert wird, jedermann freien Zutritt hat und das dort für Jung und Alt Veranstaltungen stattfinden können, um ihn in seiner prachtvollen historischen Dimension erleben zu können.
Der Brandenburgische Landtag wird ein Symbol der Bürgernähe sein. Seit den ersten Planungen und Vorgaben für den Landtagsbau sind viele Jahre vergangen.
In Zeiten der knappen öffentlichen Mittel ist es vorstellbar, dass das Raumprogramm des Landtages dem aktuellen Bedarf angepasst wird.
Später kann bei wirklichem Bedarf im unmittelbaren Umfeld weiter gebaut werden und gleichzeitig ein wertvoller Beitrag zur Vollendung des Umfeldes des Landtages geleistet werden. Dies würde beim Bau und durch die zeitliche Verschiebung enorme Mittel einsparen.
Die Bürger begrüßen deutlich flexible Lösungen für komplexe Aufgaben.
Wir bitten Sie deshalb noch einmal inständig, die historisch einmalige Chance zu nutzen,
um für die Menschen Potsdams Mitte in aller Schönheit wiederzugewinnen.
Alle Potsdamer Vereine, Jugendgruppen, IHK, Tourismus, etc. " www.mitteschoen.de
Sehr geehrte Mitglieder und Freunde,
gestern abend haben wir obigen offenen Brief mit Bitte um Unterstützung von Herrn Pohlig / Verein Mitteschön Potsdam bezüglich der Hoffasssadenrekonstruktion des wieder aufzubauenden Potsdamer Stadtschlosses erhalten.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie alle möglichst zahlreich diese Potsdamer Forderung einer originalgetreuen Rekonstruktion der Fassaden inklusive der Hoffassaden des Potsdamer Stadtschlosses / Landtagsneubaus unterstützen würden. Entsprechende Rückmeldungen zur Unterstützung der Sache bitte möglichst rasch und direkt an Herrn Pohlig über diese mail-Adresse: dpohlig@t-online.de senden.
Mit freundlichen Grüßen, Dipl. Volkswirt Mark Steger
Stellv. Vorsitzender Stadtbild Deutschland e.V.
07.01.'09 - Artikel von Prof. Peter Bürger in der NZZ
Liebe Besucher, liebe Mitglieder von Stadtbild Deutschland e.V.,
aus gegebenem Anlaß möchten wir Sie auf einen exzellenten Artikel des Bremer Literaturwissenschaftlers und Philosophen Prof. Peter Bürger in der heutigen NZZ hinweisen:
Die Echtheit der alten Steine; Neue Zürcher Zeitung
Mit herzlichen Grüßen!
Dr. Markus Rothhaar
Vorsitzender Stadtbild Deutschland e.V.
28.11.'08 - Kommentar zum Berliner Schlosswettbewerb von Harald Streck
Mit dem Resultat des Architekturwettbewerbs zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses - nunmehr "Humboldt-Forum" genannt - hat die Rekonstruktionsbewegung einen Sieg errungen, der nicht hoch genug einzuschätzen ist. Gewiss, das von vielen ersehnte Optimum, eine, wenn auch vielleicht über Jahrzehnte sich hinziehende Totalrekonstruktion des 1951 gesprengten Schlosses wird es nun nicht geben, aber eine solche Perspektive war auch zu keinem Zeitpunkt dieses achtzehn Jahre andauernden Meinungsbildungsprozesses wahrscheinlich. Angesichts des polemischen Dauerbeschusses der Rekonstruktionsidee vonseiten der meisten Architekten, Denkmalpfleger und Feuilletonisten ist das nun vorliegende und allseits gelobte Ergebnis geradezu ein Wunder.
Es ist in erster Linie dem unermüdlichen Kampf Wilhelm von Boddiens zu verdanken und all derjenigen, die achtzehn Jahre lang die Idee des Schlosswiederaufbaus im öffentlichen Bewusstsein verankert und sie verteidigt haben, des weiteren den Parlamentariern des Deutschen Bundestages, die sich ihrer Verantwortung gegenüber einem der wichtigsten baulichen Symbole der deutschen Geschichte mit weltweiter Strahlkraft bewusst waren, nicht zuletzt aber dem Architekten Franco Stella, der als kompetenter Anwalt zugleich des Rekonstruktionsgedankens wie auch moderner Rationalität eine so stimmige und einleuchtende Erfüllung der Bauaufgabe ersann, dass heftigste Konflikte um das Für und Wider dieser Wettbewerbsvorgabe wenigstens fürs erste befriedet zu sein scheinen.
Die Polemik gegen das Wiederaufbauvorhaben war ja durchaus in sich widersprüchlich. Sie prangerte zum einen das "vergangenheitsbezogene" Rekonstruktionsansinnen als solches an, ebenso häufig aber wurde (gewissermaßen zurecht) bespöttelt, dass - im Unterschied etwa zur Dresdener Frauenkirche - hier lediglich einem Neubauprojekt eine historische Fassade "angeklebt" werden sollte. Diesem Vorwurf hat Stella mit seinem Entwurf den Wind aus den Segeln genommen. Statt dreier Schlossfassaden schlägt er drei weitgehend rekonstruierte Schlossflügel vor, die konsequenterweise auch zu den Innenhöfen historische Fassaden zeigen sollen, also nicht nur zum Schlüterhof hin, sondern auch zum Eosanderhof. Darin eben liegt der außerordentliche Stellenwert dieses Entwurfs für unsere Sache; er bestätigt das Diktum der früheren Berliner Stadtbaudirektorin Barbara Jakubeit: "Es gibt keine Schlossfassade!"
Franco Stella hat Schlossflügel gezeichnet, aus denen sich zwei für unsere Ziele entscheidende Konsequenzen ergeben: Erstens muss die Grundrissorganisation dieser Baukörper dieser und kommenden Generationen die Möglichkeit einräumen, möglichst viele der historische Innenräume, Flure und Treppenhäuser zu rekonstruieren; zweitens müssen sämtliche Fassaden dieser Schlossflügel ihren historischen Fassadenschmuck zurückerhalten, wenn nicht gleich, dann nach und nach, finanziert durch weitere Spendenaktionen. Unser Ziel muss es sein, an diesem exemplarischen, allerbedeutsamsten Rekonstruktionsprojekt ein Maximum an Stimmigkeit, Plausibilität und Einheit von Außen- und Innengestalt einzufordern.
Die beiden in die Höfe eingestellten modernen Querflügel in Stellas Entwurf sind deutlich als Zutat eines Architekten unserer Zeit auszumachen und schaffen eine überzeugende Öffnung, Durchwegung und Erschließung des Gebäudes für die Öffentlichkeit unserer Tage. Die sensible und genaue Unterscheidung zwischen Rekonstruiertem und Modernem ist die entscheidende Stärke dieses Entwurfs, die auch allgemein überzeugt hat. Das einzig problematische bleibt die moderne Ostfassade in Gestalt einer offenen Loggia - gewiss für sich genommen eine ausdrucksstarke und konsequente Gestaltung, und doch an dieser Stelle, da ohne jeglichen Bezug zur Geschichte des Ortes, verfehlt. Hier wäre zu wünschen, dass der Gestaltungsvorschlag des dritten Preisträgers Hans Kollhoff, der diesen Bezug auf überzeugende Weise herstellt, zum Tragen kommt. Vielleicht aber wird die geforderte Baukostenbegrenzung ohnehin bei diesem Bauteil noch eine Überarbeitung erzwingen, außerdem wird die Konzeption der Außenanlagen, des Spreeufers zumal, entscheidenden Einfluss auf die Gesamtwirkung haben.
